Eine Information Ihrer Arztpraxis und des Forums Impfende Ärzte
Mit diesem Blatt möchten wir auf dem neuesten Stand des Wissens über die Impfvorsorge gegen Meningokokken informieren und damit zu einer auf fundierten Tatsachen beruhenden Entscheidung über die Durchführung der Impfung beitragen.
Die Infektion mit Meningokokken und ihre Behandlung
Meningokokken sind Bakterien, die in verschiedene Gruppen (u.a. A, B, C, W135) eingeteilt werden. In Deutschland tritt überwiegend die Gruppe B auf. Die Erreger kommen natürlich im Nasen-Rachen-Raum vor. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt mit Bakterienträgern. Die Bakterien können sich mit dem Blut im Körper ausbreiten und zu Hirnhautentzündungen, zu Blutungen, zur allgemeinen Blutvergiftung des Körpers oder zu Infektionen weiterer Organe führen. Etwa 10 % der Patienten mit schweren Verläufen sterben, oft innerhalb kurzer Zeit. Meningokokken-Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Allerdings verläuft die Erkrankung manchmal so schnell, dass eine Therapie zu spät kommt bzw. die Erreger nicht auf das Antibiotikum reagieren.
Die Impfung
Für die Impfung gegen Meningokokken gibt es verschiedene Impfstoffe, solche mit gereinigten Kapselbestandteilen mehrerer Typen und Einfach-Impfstoffe mit dem Typ C, die vor allem für Säuglinge und unter besonderen Bedingungen für Erwachsene vorgesehen sind. Der zu verwendende Impfstoff und das genaue Vorgehen bei der Impfung sind u. a. vom Alter abhängig. Über Einzelheiten der Impfung und Gründe, die eine Impfung ausschließen, informiert Sie Ihre Arztpraxis.
Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kommt es häufig innerhalb von 1-3 Tagen nach der Impfung, selten länger anhaltend, an der Impfstelle zu Rötung, Druckempfindlichkeit oder Schwellung. Schwerere Reaktionen an der Impfstelle sind selten. Ebenfalls innerhalb von 1-3 Tagen, selten länger anhaltend, kann es auch zu Allgemeinsymptomen wie Temperaturerhöhung bis zu 38°C (selten bis 39,5 °C) sowie Reizbarkeit, Schläfrigkeit, unruhiger Schlaf oder Magen-Darm-Beschwerden (Erbrechen, Durchfall) kommen. In der Regel sind diese genannten Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
Allergische Reaktionen (Nesselsucht, Serumkrankheit) sind selten. Über Schockreaktionen wurde in Einzelfällen berichtet. In Einzelfällen kann es auch im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) oder zu einer akuten Schocksymptomatik kommen.
Der Nutzen für den Einzelnen und die Allgemeinheit
Die Impfung gegen Meningokokken wird wegen der Häufigkeit einer Infektion im Kindesalter und hoher Sterblichkeit für einen individuellen Schutz gegen Meningokokken-Infektionen bei erhöhtem Infektionsrisiko verabreicht. In Deutschland ist eine allgemeine Impfung nicht sinnvoll, da es bisher keinen Impfstoff gegen den am häufigsten vorkommenden Typ B gibt. Dagegen kann die Impfung für spezielle Risikogruppen, bei besonderen Situationen vor Reisen in bestimmte Länder und bei gehäuftem Auftreten eines im Impfstoff enthaltenen Typs von den Gesundheitsbehörden empfohlen werden.
Wer geimpft werden sollte
Die deutsche Experten-Kommission für Impfungen (STIKO) empfiehlt die Meningokokken-Impfung für Personen mit erhöhtem Infektions-Risiko bei Erkrankungen der körpereigenen Abwehr (Immundefekte, Personen ohne Milz), beruflich gefährdeten Personen, Reisenden mit engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung in Ländern mit erhöhtem Infektionsrisiko, islamischen Pilgerreisenden (Vierfach-Impfstoff als Pflichtimpfung für Hadj!), Schülern/Studenten vor Langzeit-Aufenthalten in Ländern mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche oder Impfung für Schüler/Studenten sowie für Personen in Regionen mit gehäuftem Auftreten oder einem Ausbruch von Meningokokken-Erkrankungen auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden.