Eine Information Ihrer Arztpraxis und des Forums Impfende Ärzte
Mit diesem Blatt möchten wir auf dem neuesten Stand des Wissens über die Impfvorsorge gegen die Kinderlähmung informieren und damit zu einer auf fundierten Tatsachen beruhenden Entscheidung über die Durchführung der Impfung beitragen.
Die Kinderlähmung und ihre Behandlung
Die Kinderlähmung (Polio) ist eine durch Viren (Polio-Viren) verursachte Infektionskrankheit. Es gibt drei verschiedene Typen des Polio-Virus. Diese waren früher weltweit verbreitet, wurden jedoch durch Impfkampagnen weitgehend ausgerottet und kommen heute nur noch in Teilen Afrikas und Asiens vor.
Einziger natürlicher Wirt der Polio-Viren ist der Mensch. Die Übertragung erfolgt durch Aufnahme von Polio-Viren mit infizierter Nahrung, Wasser oder über verunreinigte Hände bei schlechter persönlicher Hygiene. Nach der Übertragung vermehrt sich das Virus in verschiedenen Körperzellen und infiziert dann über den Blutweg Zellen des Rückenmarks. Dabei werden Nervenzellen zerstört, die für die Bewegung der Muskeln verantwortlich sind.
Nur ein kleiner Teil der Infizierten (unter 5%) erkrankt. Die Erkrankung beginnt häufig mit einem Grippe-ähnlichen Krankheitsbild, an das sich nach einigen Tagen Muskelschmerzen, Lähmungen einzelner oder mehrerer Muskeln der Arme sowie Beine anschließen. Auch die Symptome einer Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung werden beobachtet. Sind Nerven des Gesichts beteiligt, können Schluck- und Sprachstörungen auftreten. Durch die Lähmung von Atemmuskeln kommt es zur Atemlähmung und zum Tod. Die betroffenen Muskeln bleiben gelähmt. Eine ursächliche Therapie der Kinderlähmung gibt es nicht.
Die Impfung
Der Impfstoff gegen Kinderlähmung enthält alle 3 verschiedenen Polioviren in abgetöteter (inaktivierter) Form. Der Impfstoff (1 ml) wird in die Muskulatur injiziert. Die Impfung kann ab dem vollendeten 2. Lebensmonat verabreicht
werden. Ein Impfschutz wird je nach Präparat mit 2 Impfdosen (2. Dosis 4- 8 Wochen nach der 1.Dosis) bzw. 3 Dosen (1.Dosis, nach 4-8 Wochen die 2. Dosis, nach 6-12 Monaten die 3. Dosis) erreicht. Für Säuglinge und Kleinkinder stehen Sechsfachimpfstoffe und für die Auffrischung Dreifach- bzw. Vierfachimpfstoffe zur Verfügung. Zeitabstände zu anderen Impfungen sind nicht notwendig. Der Impfschutz hält vermutlich mehr als 10 Jahren an. Beiweiter bestehendem Infektionsrisiko sollte die Impfung alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Über Einzelheiten der Impfung und Gründe, die eine Impfung ausschließen, informiert Sie Ihre Arztpraxis.
Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es selten einmal innerhalb von 1-3 Tagen nach der Impfung an der Impfstelle zu Rötung, Schmerzhaftigkeit und Schwellung kommen. Auch Allgemeinsymptome wie leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, grippeähnliche Symptomatik (Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, KreisIaufbeschwerden) oder Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) sind nur selten zu beobachten, treten eher einmal nach der ersten Gabe des Impfstoffs und bei Kindern auf. Diese Symptome sind vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab. Nur in Einzelfällen wird über allergische Reaktionen nach Impfung mit dem inaktivierten Polio-Impfstoff berichtet.
Der Nutzen für den Einzelnen und die Allgemeinheit
Die Polio-Impfung vermittelt einen hohen Schutz für den Einzelnen. Durch geimpfte Personen wird die Übertragung von Mensch zu Mensch unterbrochen und damit die Zirkulation von Polio-Viren in der Bevölkerung deutlich reduziert. Die weltweite Ausrottung der Kinderlähmung wird in den nächsten Jahren erwartet. Bis dahin ist die Impfung die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektionen nach einer möglichen Einschleppung aus Ländern, in denen die Erreger noch vorkommen.
Wer geimpft werden sollte
Die Impfung gegen Kinderlähmung ist eine allgemein empfohlene Impfung. Geimpft werden sollen alle Säuglinge sowie Jugendliche gemäß Impfplan und alle Erwachsenen mit fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung. Daneben empfiehlt die deutsche Expertenkommission eine Auffrischimpfung gegen Kinderlähmung bei Reisen in Regionen mit Infektionsrisiko (aktuelle Informationen der Weltgesundheitsorganisation - WHO - beachten), bei Aussiedlern, Flüchtlingen und Asylbewerbern, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, bei der Einreise aus Gebieten mit Polio-Risiko, für Personal der genannten Einrichtungen, medizinisches Personal, das engen Kontakt zu Erkrankten haben kann und Personal in Laboratorien mit Polio-Risiko.