Eine Information Ihrer Arztpraxis und des Forums Impfende Ärzte
Mit diesem Blatt möchten wir auf dem neuesten Stand des Wissens über die Impfvorsorge gegen Keuchhusten informieren und damit zu einer auf fundierten Tatsachen beruhenden Entscheidung über die Durchführung der Impfung beitragen.
Der Keuchhusten und seine Behandlung
Der Keuchhusten ist eine bakterielle Infektion, die direkt von Mensch zu Mensch durch ausgehustete Tröpfchen übertragen wird. Erwachsene sind häufig die Infektionsquelle für nicht oder unzureichend geimpfte Säuglinge, die dann sehr schwer erkranken.
Nach heutiger Erkenntnis haften die Pertussis-Bakterien nach der Infektion an Atemwegszellen und scheiden ein Toxin (Giftstoff) ab, das zahlreiche biologische Wirkungen hervorruft. Typisch und namensgebend für die Erkrankung sind heftige Hustenanfälle mit Serien von Hustenstößen, welche durch ein pfeifendes Ziehen beim Einatmen unterbrochen werden und mit einem mühevollen Herauswürgen von zähem Schleim enden.
Der Verlauf des Keuchhustens kann abhängig vom Alter sehr unterschiedlich sein. Junge Säuglinge zeigen nicht die typischen Hustenanfälle, sondern sind durch zu lebensbedrohende Atemstillstände gefährdet. Erwachsene erkranken meist mit einem langwierigen, uncharakteristischen und quälenden Husten, der oft nicht als Keuchhusten erkannt wird. Die häufigsten Komplikationen sind Lungenentzündungen, Mittelohr-Entzündungen und Infektionen mit anderen Bakterien oder Krampfanfälle. Verlauf und Komplikationen können durch eine frühzeitige Antibiotika-Therapie verkürzt bzw. reduziert werden, wobei die Wirksamkeit begrenzt ist .
Die Impfung
Der Impfstoff enthält Komponenten der Keuchhusten-Bakterien (sog. azellulärer Impfstoff) um wird in die Muskulatur injiziert. Säuglinge ab dem 2. vollendeten Lebensmonat sowie Kinder werden zur Grundimmunisierung viermal, Jugendliche (14. - 18. Lebensjahr) zweimal, Erwachsene einmal geimpft. Die Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern erfolgt meist mit einem Sechsfach-Impfstoff. Über Einzelheiten der Impfung und Gründe, die eine Impfung ausschließen, informiert Ihre Arztpraxis.
Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es innerhalb von 1-3 Tagen nach der Impfung, selten auch länger anhaltend, an der Impfstelle zu Rötung, Schmerzhaftigkeit und Schwellung kommen, gelegentlich auch verbunden mit Beteiligung der zugehörigen Lymphknoten. Gelegentlich kann es ebenfalls innerhalb von 1-3 Tagen (selten länger anhaltend) auch zu Allgemeinsymptomen wie leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, grippeähnliche Symptomatik (Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden) oder Magen-Darm- Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) kommen. Auch länger anhaltendes schrilles Schreien wurde bei Säuglingen und jungen Kleinkindern beobachtet. Erwachsene vermerken gelegentlich muskelkaterähnliche Beschwerden und eine später einsetzende Muskelschwellung, beides bildet sich spontan zurück. In der Regel sind diese genannten Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
Im Zusammenhang mit einer Fieberreaktion kann es beim Säugling und jungen Kleinkind selten einmal auch zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Allergische Reaktionen treten sehr selten auf. Einzelfälle von kurzzeitigem schockähnlichem Zustand mit reduzierter Muskelspannung und Nichtansprechbarkeit, der sich schnell und folgenlos zurückbildet, werden in der medizinischen Fachliteratur beschrieben.
Der Nutzen für den Einzelnen und die Allgemeinheit
Der Keuchhusten gehört zu den häufigsten sowie gefährlichsten Infektionskrankheiten und führt im frühen Säuglingsalter zu sehr schweren, lebensbedrohenden Krankheitsverläufen. Die Impfung ermöglicht eine wirksame Vorsorge und einen Schutz sowohl für den Einzelnen als auch die Umgebung.
Wer geimpft werden sollte
Die Keuchhusten-Impfung wird allen Säuglingen empfohlen. Ein besonderes Übertragungsrisiko besteht für Personal in der Pädiatrie, der Infektionsmedizin sowie in Gemeinschaftseinrichtungen für Vorschulalter und Kinderheimen. Für diese Personen werden entsprechende Impfungen ggf. zusammen mit Tetanus und Diphtherie empfohlen. Frauen mit Kinderwunsch ohne Impfung und bestätigte Erkrankung in den letzten 10 Jahren sollten möglichst vor der Schwangerschaft geimpft werden (wenn nicht möglich in den ersten Tagen nach der Geburt). Ebenso wird die Impfung für Personen mit erwartetem engem Kontakt zu einem Neugeborenen (Vater, Geschwister, Tagesmütter, Großeltern usw.) bis spätestens 4 Wochen vor der Geburt empfohlen, wenn diese nicht geimpft sind bzw. keine Erkrankung in den letzten 10 Jahren bestätigt ist.