Eine Information Ihrer Arztpraxis und des Forums Impfende Ärzte
Mit diesem Blatt möchten wir auf dem neuesten Stand des Wissens über die Grippe (Influenza) sowie die Impfvorsorge gegen diese Infektionskrankheit informieren und damit zu einer auf fundierten Tatsachen beruhenden Entscheidung über die Durchführung der Impfung beitragen.
Die Influenza und ihre Behandlung
Die Grippe ist eine durch Viren verursachte Atemwegserkrankung. Die Übertragung zwischen den Menschen erfolgt durch Tröpfcheninfektion, durch direkten Kontakt (z.B. Handschlag) und durch Kontaktinfektion über verunreinigte Gegenstände. Infiziert werden Zellen der gesamten Atemwege, wo auch die Virusvermehrung stattfindet. Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl, Kopf- und Muskelschmerzen und Atemwegs-Symptomen (Schluckbeschwerden, trockener Husten, Entzündung des Rachens und der Luftröhre mit Schmerzen hinter dem Brustbein). Die Symptomatik dauert 5 bis 7 Tage an. Bei Patienten mit Risikofaktoren treten häufig Komplikationen (Lungenentzündung, Entzündung des Herzmuskels oder des Herzbeutels) auf, bei Kindern und Jugendlichen bei gleichzeitiger Aspirin-Therapie ein akutes Versagen der Leber mit Gehirnschädigung (Reye-Syndrom).
Die Influenza kann mit Medikamenten therapiert werden. Wenn man diese innerhalb von 24 Stunden nach Erkrankungsbeginn einnimmt verkürzen sie den Krankheitsverlauf.
Die Impfung gegen Influenza
Der Grippe-Impfstoff besteht aus Bestandteilen der Virushülle. Laboratorien und Zentren überwachen die Verbreitung des Erregers sowie seine Veränderungen und melden diese Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese gibt Empfehlungen für die jährlich aktuelle Zusammensetzung des Impfstoffs heraus. Der Impfstoff sollte jedes Jahr vor Beginn der Grippe-Saison (Spät-Herbst) verabreicht werden. Je nach verwendetem Präparat und in Abhängigkeit vom Alter variieren die Menge (0,25 bis 0,5 ml) und die Zahl der Injektionen (Kinder unter 3 Jahren 2 Dosen, Kinder ab Beginn des 4. Lebensjahres und Erwachsene 1 Dosis). Für Personen über 65 Jahren stehen Impfstoffe mit verstärkter Wirkung zur Verfügung. Der Impfstoff wird vorzugsweise in den Oberarm verabreicht. Über Einzelheiten der Impfung und Gründe, die eine Impfung ausschließen, informiert Sie Ihre Arztpraxis.
Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es gelegentlich innerhalb von 1-3 Tagen an der Impfstelle zu leichten Schmerzen, Rötung und Schwellung kommen, gelegentlich auch zu vorübergehenden Verhärtungen oder Schwellungen der zugehörigen Lymphknoten. Ebenfalls kann es nach der Impfung zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Frösteln, Übelkeit, Unwohlsein, Müdigkeit, Schwitzen, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen kommen. Die letztgenannten Allgemeinreaktionen dürften der Grund dafür sein, dass die Influenza-Impfung fälschlicherweise für das Auftreten Influenza-ähnlicher Erkrankungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung verantwortlich gemacht wird. In der Regel sind diese genannten Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
Sehr selten werden allergische Reaktionen an Haut und Bronchien beobachtet; über einen allergischen Schock wurde nur in EinzelfäIIen berichtet. Eine Hühnereiweiß-Allergie ist eine Gegenanzeige für die Impfung, da der Impfstoff in Hühnereiern produziert wird. Ebenfalls sehr selten kann es zu einer Gefäßentzündung oder einem vorübergehenden Abfall der Blutplättchen kommen, als deren Folge Blutungen auftreten können. Im Zusammenhang mit einer Massenimpfung von US-Bürgern gegen die so genannte "Schweine- grippe" im Jahre 1976 trat das Guillain-Barré-Syndrom (eine aufsteigende Lähmung) gehäuft auf, das in der Folgezeit allerdings nur noch in EinzelfäIIen nach einer Influenza-Schutzimpfung beobachtet wurde.
Der Nutzen für den Einzelnen und die Allgemeinheit
Die Impfung führt zur Abnahme der Infektionen, sie mildert deren klinische Verlaufsformen und reduziert die Zahl der tödlich verlaufenden Erkrankungen um bis zu 90%. In Altenpflegeheimen und Krankenhäusern konnte gezeigt werden, dass die Impfung des medizinischen und pflegerischen Personals einen sehr großen positiven Einfluss auf die Häufigkeit der Erkrankung bei den Patienten hatte. Eine mittelschwere Epidemie hat in den letzten Jahren 30.000 zusätzliche Todesfälle vor allem unter den älteren Menschen verursacht und zu einem gesellschaftlichen Schaden von mehr als 900 Millionen DM geführt.
Wer geimpft werden sollte
Die Grippe-Impfung wird allen Personen mit erhöhtem Übertragungs- oder Erkrankungsrisiko empfohlen. Dazu zählen Personen über 60 Jahren und Personen ab dem 6. Lebensmonat mit Grunderkrankungen (Atemwege, Herz-Kreislauf-System, Niere, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Krankheiten des Abwehrsystems, des Blutes; Multiple Sklerose Abwehrsystem, Blut), Personen mit häufigem Publikumsverkehr, in medizinischen und pflegerischen Bereichen sowie mit Kontakt zu gefährdeten Patienten im engeren persönlichen Bereich.